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1
Leseproben
Auszüge aus den Kapiteln 1, 29 und 89Meine Abstammung lastet bis heute auf mir. Vater besaß ein großes Herz, eine starke Konstitution und ein Lächeln, das seine Leichtgläubigkeit offen legte. Die Genossen mit ihrem untrüglichen Gespür für brauchbare Leute waren früh auf ihn aufmerksam geworden. Sie mussten nicht lange agitieren, bis Vater in die Partei eintrat: er konnte einfach nicht NEIN sagen.
Jedenfalls hat er sich nicht angebiedert und legte keinen Ehrgeiz an den Tag, wenn es darum ging, auf der Funktionärsleiter ein paar Sprossen nach oben zu klettern. Vater glaubte an das Gute im Menschen und dieser Glaube hatte einen genügsamen und umgänglichen Menschen aus ihm gemacht. Im Übrigen waren die Genossen auf ihn angewiesen, auf einen Mann mit seinen menschlichen Eigenschaften und seinem Stehvermögen. Bei einem Schulungsaufenthalt in der Sowjetunion hatte er es zu einem begnadeten Trinker gebracht. Sto gramm war die kleinste Einheit zu einem handfesten Besäufnis. Ein halbes Whiskeyglas voll Wodka stürzte er in einem Zug hinunter, atmete gelassen aus in Erwartung auf die nächste Runde. Ob Wodka aus der Flasche, Selbstgebrannter aus Blechkanistern oder Primasprit aus Senfbechern, mein Vater stand den trinkfesten Russen in nichts nach und durfte auf keinem prasdnik fehlen. Die Russen fassten einfach kein Vertrauen zu Genossen, die nicht anständig saufen konnten. Vater hatten sie ins Herz geschlossen.
Obwohl ich ihn selten völlig betrunken erlebte, sah ich ihn noch weniger vollkommen nüchtern. An einem Sonntag, ich erinnere mich noch genau, kam er aus dem Wohnzimmer, wo er für gewöhnlich übernachtete, wenn es wieder einmal sehr spät geworden war. Er kam in die Küche, streckte sich bis seine Gelenke knackten und nahm uns beide freundlich in Augenschein. Mutter und ich waren schon vor einer Weile aufgestanden und beinahe fertig mit dem Frühstück. Vater setzte sich aufgeräumt zu uns an den Tisch.
Mutter hielt ihr Messer in der Hand und ließ es ganz leicht über den Tellerrand kreisen. Ich glaube, es steckte keinerlei Absicht in dieser Geste, vermutlich nicht einmal ein harmloser Mordgedanke, wie er gelegentlich zwischen Eheleuten aufblitzt. Sie machte ihm lediglich deutlich, dass sie auf gar keinen Fall von ihm angesprochen werden wollte.
"Helena", sagte Vater mit zärtlich kratzender Säuferstimme.
Mutter hob kurz die Augen, Vater erstarrte und gab sofort jeden Versöhnungsversuch auf. Und dann herrschte in unserer kleinen Familie, was man ein unbehagliches Schweigen nennt.
"Grigori", sagte Vater schließlich, "hol mir mal ein paar Zwiebeln aus dem Keller."
Wir hatten Wochenende, der letzte Bissen vom Frühstück steckte mir noch im Hals, ich würgte ihn hinunter und spülte mit einem Schluck Milch nach. Vor allem konnte ich es nicht leiden, wenn mich andauernd jemand für seine Dienste einspannte. Ich setzte mich aufrecht an den Tisch und schaute gedankenverloren aus dem Fenster.
"Keine Diskussion, Kleiner", hakte Vater nach.
Ich stand auf und schlurfte durch die Küche. Neben der Tür sprang ich hoch, erreichte den Schlüssel oben am Brett und ging in den Keller. Dort unten stand eine riesige Kiste voller Zwiebeln, Vaters Jahresration, und er aß eine Menge Zwiebeln, was mit dem Wodka zusammenhing, von dem immer ein paar Flaschen in dem Regal über der Kiste standen. Nach dem Winter begann es in der Kiste muffig zu riechen, ich beugte mich über den Rand und wühlte zwischen Schalenresten und hellgrünen Trieben. Einige Zwiebeln waren schon weich und matschig, und ich suchte eine Weile, ehe ich ein paar feste fand. Ich steckte sie in die Hosentaschen, schloss den Keller hinter mir ab und ging die Treppe hinauf. Neben der Tür, vor dem Schlüsselbrett, sprang ich hoch und bugsierte den Schlüssel an den Haken. Dann legte ich die Zwiebeln auf den Küchentisch, setzte mich neben Vater und sah ihm zu.
Mutter war schon aufgestanden und ließ Wasser ins Spülbecken laufen. Ich konnte sie verstehen, fand aber, dass sie zu streng über ihn urteilte. Vater machte das nicht zum Vergnügen, er trank aus beruflichen Gründen. Und er nahm seine Arbeit ernst. Stand ein prasdnik an, und das war häufig der Fall, griff er sich zum Frühstück eine Schüssel und schnitt Würfel aus fettem Speck hinein. Dann pellte er ein paar Zwiebeln ab und schnitt auch die in Würfel. Mit dem Messer rührte er ein paar Mal in der Schüssel herum, schnappte sich einen Löffel und schaufelte die ganze Ladung in sich hinein.
"He, Grigori, Kleiner!", rief er. "Mal kosten?"
Ich verzog das Gesicht zu einer Grimasse und der Alte lachte, dass die Scheiben im Küchenschrank klapperten. Dann beugte er sich zu mir herunter und legte mir seine Pranke auf die Schulter. "Kleiner, heute machen wir beide mal einen ausgiebigen Spaziergang, so unter Männern." Er zwinkerte mir zu.
Das war mal was, ich war begeistert. Ein Spaziergang, nur er und ich.
Mutter roch den Braten. Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu, räumte den Tisch ab und entwickelte dabei eine hektische Geschäftigkeit. Die Teller fielen scheppernd aufeinander, das Besteck flog in hohem Bogen ins Spülbecken und der übelriechende Waschla
"Also", sagte Vater in den Raum, "wir machen uns dann mal auf den Weg, DEIN SOHN und ich. Zum Mittag sind wir wieder zurück."
Mutter drehte sich nicht einmal um, als wir die Küche verließen. Sie hantierte im Spülbecken und unterzog Teller und Tassen einer harten Belastungsprobe. Noch vor der Haustür hörten wir das Scheppern des Geschirrs.
Wir kamen kaum hundert Meter weit, da stieß Vater eine Kneipentür auf. Er spähte ins Halbdunkel. Eine Wolke aus Zigarettenqualm senkte sich auf mich herunter. Drinnen kippte ein Stuhl um ...
29
Nach dem Krankenhausaufenthalt fühlte ich mich zutiefst verunsichert. Noch Wochen später verfolgten mich Bilder aus Klinikfluren und Behandlungszimmern bis in meine Träume. Nachts erschien mir ein Inferno menschlicher Gebrechen. Schatten der Vergänglichkeit fielen auf mein jugendliches Gemüt. In den Alpträumen verfolgten mich Ärzte mit riesigen Spritzen und anderen beängstigenden Instrumenten, stellten sich mir Schwestern in den Weg, senkte sich die blutige Schneide eines Skalpells in meinen Körper. Wenn ich schweißgebadet aufwachte, tastete ich meine Gliedmaßen ab, vergewisserte mich meiner längst nachgewachsenen Haare und legte schützend die Hände über die Ohren. Zum ersten Mal in meinem Leben sorgte ich mich um meine Gesundheit, denn ein Leiden konnte mich in die Hände der Ärzte treiben. Es war die Zeit, da ich mir meiner Hilflosigkeit bewusst wurde und ein starkes Bedürfnis nach Wehrhaftigkeit entwickelte. Ich entschied mich für Judo, den sanften japanischen Kampfsport, mit dessen Hilfe sich die rohen Kräfte des Gegners gegen ihn selbst richten ließen.
Trainiert wurde in einer Baracke, die gleich neben dem Güterbahnhof stand. Wenn ein Zug vorbei fuhr, übertrugen sich die Schwingungen auf den Mattenboden. Der Trainingsraum war klein und stickig, die Fenster ließen sich schwer öffnen. Die Matte füllte fast die gesamte Fläche aus und reichte an einigen Stellen ein Stück die Wand hinauf. In einer Ecke standen Kraftgeräte, ein paar Hanteln und eine Sprossenwand.
> Das Training fand dreimal die Woche statt, immer am späten Nachmittag. Zu Beginn mussten wir uns in einer Reihe aufstellen und uns mit den Zehenspitzen genau an der Mattenkante ausrichten. Dabei wurde eine gewisse Reihenfolge eingehalten, die von der Graduierung abhängig war, von der Farbe des Gürtels, der die weiße Kluft zusammenhielt. Ich stand am Ende der Reihe, mein Gürtel war weiß wie die Farbe meines Judoanzuges, der im Übrigen nicht richtig passte und nach Schweiß stank. Die anderen beugten sich vor und sahen grinsend zum Ende der Reihe, nahmen aber sofort Haltung an, als der Trainer hereinkam. Er war ein kleiner, weißhaariger, immer noch kräftiger Mann mit schwarzem Gürtel und einigen Meistertiteln. Der Trainer blickte aufmerksam die Reihe entlang, ließ mich vortreten. Er nannte meinen Namen und hieß mich willkommen. Dann nuschelte er ein paar Begriffe aus dem japanischen Wortschatz und die Jungen rannten der Reihe nach los, ließen sich mit lautem Knall auf die Matte fallen, sprangen wieder auf und liefen ans Ende der Reihe. Der Trainer gab mir ein Zeichen, und während die anderen weiter an ihrer Fallübung arbeiteten, erklärte er mir ein paar Grundbegriffe. Zunächst musste ich lernen, richtig zu fallen, einen Schulterwurf unbeschadet zu überstehen. Nur wer fallen konnte, durfte sich auf einen Kampf einlassen. Ich musste mich auf die Matte werfen und dabei zeigen, dass es mir nichts ausmachte. Nach einigen grotesken Fallversuchen verbesserte ich meine Technik und der Trainer nickte zufrieden. Er stellte mich zu den anderen, die gerade an ihren Wurftechniken arbeiteten. Jeder hatte Vorlieben für bestimmte Würfe und trainierte sie bis zur Besinnungslosigkeit. Der Trainer beobachtete alles aufmerksam, dann verschränkte er die Arme über der Brust und holte tief Luft. "PARTNERWECHSEL."
Bis jetzt hatte ich allein dagestanden und nur zugesehen, doch nun stürzten gleich mehrere Partner auf mich zu, jeder wollte mit mir trainieren. Ich war froh darüber, dass ich nicht lange allein blieb. Selten hatte ich solchen Anklang gefunden.
Mein erster Partner war einen Kopf kleiner als ich. Er verbeugte sich vor mir, griff rechts den Ärmel, links das Revers meiner Jacke, drehte sich ein und knallte mich auf die Matte. Ich war etwas benommen, sammelte mich und stand langsam wieder auf. "He", sagte ich, "das ist heute mein erster Tag."
Wieder packte er mich und wiederholte die Übung. Alles ging so schnell, dass ich gar nicht reagieren konnte. Ich blieb möglichst lange liegen, ließ mir Zeit beim Aufstehen, drehte mich erst auf den Bauch, stützte mich auf die Hände, auf die Knie und richtete mich auf. Kaum war ich auf den Beinen, packte er mich, hievte mich über seine Schulter und ließ mich unsanft auf die Matte prallen.
"MEHR EINSATZ!", schrie der Trainer. "Ich will Einsatz sehen. Bewegt eure müden Ärsche."
Bei diesen Aufforderungen wurden alle um einiges schneller und ich landete schneller wieder auf der Matte.
"PARTNERWECHSEL."
Ich lag noch am Boden und schon standen sie Schlange, drängten sich zur Seite, einer war sogar so freundlich und half mir auf die Beine. Ich war ohne Zweifel die am meisten gefragte Partie auf der gesamten Matte. "Hör mal", sagte ich zu meinem neuen Partner, "ich hab überhaupt noch keine Ahnung. Ich bin heute das erste Mal hier."
Mein neuer Partner verbeugte sich, griff sich meine Jacke und schickte mich auf die Matte. Die war dünn und hart und mit rauhem Leinentuch überspannt, auf dem ich mir die Haut von den Knochen schrammtte.
"ICH WILL EINSATZ SEHEN!", schrie der Trainer. "Nicht so lahmarschig."
Allmählich wurde ich wütend, in mir regte sich Widerstand. Ich wollte keine Rache, ich wollte niemanden niederringen, sondern diese Baracke einfach nur lebend verlassen. Irgendwie bekam ich meinen Gegner zu fassen und konnte ihn am Eindrehen hindern. Ich kochte innerlich. "Blödes Arschloch", zischte ich als sein Wurfversuch ins Leere ging.
"Ich will kein Gequatsche hören!", rief der Trainer. "Beim Kämpfen herrscht Ruhe."
Es kostete unheimlich Kraft, den Gegner von sich fern zu halten. Mein Atem pfiff wie die Dampflok draußen auf dem Güterbahnhof. Ich brauchte dringend eine Verschnaufpause. Schon packte er mich wieder, ein Augenblick der Unachtsamkeit und ich landete auf der Matte.
Ich wollte aufstehen, doch meine Beine knickten ein. Mein Kopf sandte vergeblich Signale an die Muskeln, Arme und Beine hatten ihr Notprogramm eingeschaltet. Mein Gegner wartete schon, er streckte mir die Hände entgegen, seine Augen blickten kalt und unerbittlich. Kaum stand ich, drosch er mir seinen Fuß gegen das Schienbein und wollte mich ins Stolpern bringen. Ich wich aus, aber in dem Moment hob er mich auf seine Schulter und lenkte mich mit meinem eigenen Schwung hart auf den Boden.
"PARTNERWECHSEL."
Ich machte mir keine Illusionen mehr und nahm die Dinge, wie sie kamen. Langsam begriff ich, wie ich fallen musste, ohne mir weh zu tun. Eine Übung, von der ich in späteren Jahren noch häufig profitieren sollte.
89
Schmerz, Hunger und Kälte kündigten den Morgen an. Ich weigerte mich aufzuwachen, ich weigerte mich, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Den Hunger hätte ich vielleicht nach einer Weile vergessen, die Schmerzen verdrängt, aber diese lausige Kälte ließ mich einfach nicht mehr zur Ruhe kommen.
Ich lag auf einer Bank, die Sonne war bereits aufgegangen. Die Druckstellen an Schulter und Hüftknochen wurden immer unerträglicher, dennoch mochte ich mich nicht bewegen. Ich lag auf der Seite, die Beine angezogen und die Arme angewinkelt wie ein Fötus. Mir war schon klar, dass ich nicht ewig so liegen bleiben konnte, aber ich fürchtete, wenn ich mich ausstreckte, könnte alles noch schlimmer werden. Also vermied ich vorerst jede Bewegung und überlegte, während sich die Holzlatten immer schmerzhafter in mein Fleisch drückten, ob ich mich nicht wenigstens aufsetzen und meinen Körper nach Verletzungen abtasten sollte. Andererseits konnte ich mir die Mühe sparen, ich wusste auch so, dass sie mich ordentlich verprügelt hatten. Bloß kein Selbstmitleid! Irgendwie, sagte ich mir, würde ich schon wieder auf die Beine kommen. Ich rieb mir die Augen, sah ein Seeufer und Morgennebel, den ein schwacher Wind vom Wasser herübertrieb. Über mir raschelten Blätter, und wenn ich den Kopf ein wenig seitwärts drehte, blendeten mich die ersten Sonnenstrahlen. Ein Frühsommermorgen, aber meine gefühlte Temperatur lag unter dem Gefrierpunkt. Ich setzte mich auf und lauschte dem Klappern meiner Zähne. Was für ein jämmerliches Geräusch. Ich biss die Zähne zusammen und lieferte mich diesem dumpfen Schmerz aus, der sich über den ganzen Körper ausbreitete, an den Knochen schabte, Muskeln und Sehnen spannte, der im Bauch rumorte und gegen die Schädeldecke pochte. Mir tat alles weh, ich fühlte mich wie Abfall, und verspürte nicht übel Lust, mich in die Mülltonne neben der Bank zu werfen.
Mein Magen knurrte, ein Kommando, das die malträtierten Gliedmaßen disziplinierte. Ich stand auf und schaute mich nach etwas Essbarem um. Nicht weit von meinem Schlafplatz fand ich einen Kiosk. Ich schlurfte über die Straße und suchte in meinen Taschen nach Geld. Der Kiosk hatte noch geschlossen, die Verkäuferin schnitt Brötchen auf, ich klopfte gegen die Scheibe. Sie sagte etwas, aber ich konnte sie nicht verstehen und klopfte noch einmal. Sie schob energisch die Luke hoch und steckte den Kopf heraus. "Ist noch geschlossen!", rief sie erbost. Dann sah sie mich, wollte etwas hinzufügen, ihr Mund stand offen, doch sie brachte kein Wort heraus, nur ein erstickter Laut kam über ihre Lippen.
"Morgen", sagte ich.
Sie erwachte aus ihrer Erstarrung, schlug die Hände vors Gesicht. "Du meine Güte. Wer hat dich denn so zugerichtet?"
"Ich muss was trinken und essen. Eine Flasche Milch und zwei Brötchen, Bitte."
"Ja. Natürlich. Ich hab zwar noch nicht offen, aber bei dir will ich mal eine Ausnahme machen." Sie hebelte einen Holzstab unter die Luke, stellte eine Flasche Milch heraus, warf zwei Brötchen in eine Tüte und legte sie daneben.
Ich kramte mein Geld hervor.
"Lass nur", sagte sie, "behalt deine paar Piepen."
Die Brötchen fühlten sich warm an. Ich bedankte mich, sie schüttelte besorgt den Kopf, als ich davontrottete. Am See fand ich ein ruhiges Plätzchen, ich setzte mich in die Sonne und genoss die Wärme wie ein Insekt, das am Morgen unter einen Sonnenstrahl kriecht und die Flügel spreizt. Über dem seichten Uferwasser herrschte rege Geschäftigkeit. Mücken sirrten durch die Luft, Käfer brummten auf ihrem Flug, Libellen schwebten über dem Wasser und führten einige Kunststücke vor. Eine Mücke setzte sich auf meinen Handrücken. Sie senkte ihren feinen Rüssel in meine Haut, mühte sich mit dem Einstich, lief ein Stück über die Hand und versuchte es erneut. Diesmal war sie erfolgreicher, obwohl ich nichts spürte bis auf ein leichtes Kribbeln. Bekanntlich sind es die Weibchen, die stechen. Sie brauchen das Blut für ihre Nachkommen. Die Mücke saugte eifrig, der winzige Hinterleib bewegte sich hoch und runter. So ein zerbrechliches Insekt muss sehr vorsichtig sein, ein Moment der Unachtsamkeit kann alle Bemühungen zunichte machen. Ich hob die andere Hand, ein Schatten fiel auf das ahnungslose Insekt. Jetzt, wo mein Blut durch ihren Rüssel rann, ließ die Wachsamkeit nach. Die Mücke trank gierig, berauscht von meinem süßen Blut, den Gefahren ihrer Umwelt entrückt. Allmählich färbte sich ihr Hinterteil rötlich, sie zog ihren Rüssel aus meiner Haut, blieb einen Augenblick wie benebelt auf meinem Handrücken und flog etwas trunken davon. Sie hatte einen guten Tag heute.
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